Temporäre Umrüstung eines Airbus A380 zu Frachtflugzeug

Die Tage des Airbus A380 waren auch bereits vor dem Ausbrauch des Coronavirus gezählt. Nun gibt es gegenwärtig aber Bedarf für Frachtflugzeuge. Und so tauchten unlängst wieder Berichte zur Frachtversion des Airbus A380 auf. Was hat es damit auf sich?

Frachtversion des Airbus A380

Airbus hatte eine Frachtversion des Airbus A380 zu Beginn der Produktion und Start des Programms angekündigt. Die FedEx, UPS, Emirates Cargo und dem Leasingunternehmen ILFC hatte insoweit Interessenbekundungen und / oder Bestellungen für 27 Flugzeuge abgegeben.

Im Jahre 2005 begann Airbus sogar, den Rahmen und Rumpf für eine Frachtversion des Airbus A380 zu bauen. Hier bedurft es umfangreicher Modifikationen. Insbesondere der Boden muss verstärkt werden, um der höheren Belastung standzuhalten.

Airbus A380F in FedEx Lackierung
Airbus A380F in FedEx Lackierung
[Corporate Foto by Airbus]
Bereits im Jahr darauf ließ das Interesse allerdings nach. Die Erstbesteller stornierten Ihre Bestellungen. Emirates wechselte zur Frachtversion Boeing 777. Dahingegen bestellte UPS das Konkurrenzprodukt Boeing 747-8F.

Kurzfristiger Bedarf für Cargo Flugzeuge

Mit der Verbreitung des Coronavirus ist der Passagierverkehr massiv eingebrochen. Allerdings transportieren Fluggesellschaften in den Frachträumen von Passagierflugzeugen regelmäßig auch Fracht . Diese macht zahlreiche Strecken finanziell interessant und attraktiv, selbst wenn das Passagieraufkommen nicht so hoch ist. Fracht sorgt mitunter sogar in der aktuellen Zeit dazu, dass aufgrund der gestiegenen Raten bestimmten Strecken profitabel betrieben werden können.

Cargo Flexibility von Airbus
Fracht im Passagierraum Cargo Flexibility von Airbus
[Corporate Foto by Airbus]
Zudem haben bereits einige Fluggesellschaften Economy-Class Sitze aus Ihren Flugzeugen ausgebaut, um Fracht besser transportieren zu können. Hierzu gehört u.a. die Lufthansa und Austrian. Hierbei profitieren die Airlines zwar von den standardmäßig eingebauten Transportschienen. Aufgrund der fehlenden Frachttür ist die Beladung aber aufwändiger.

Unterstützung gibt es hierbei auch durch Airbus selbst. Die Systeme sind im Rahmen von entsprechenden Erleichterungen und beschleunigten Verfahren durch die zuständigen Gremien (EASA) auch zertifiziert.

Der Umbau bzw. die Modifikation zu diesen auch als „Preighter“ oder auch „Prachter“ bezeichneten Versionen erfolgt in vielen Fällen durch Lufthansa Technik.

Boeing 747-400 Combi

Ein Flugzeug, welches dieses Manko nicht hat, ist die Boeing 747-400 Combi, die bei KLM aber auch anderen Airlines eingesetzt wurde. Daher hat KLM die Boeing 747-400 Combi reaktiviert, wie u.a. das Fachmagazin Flugrevue bereits im April berichtete.  KLM hat die Boeing 747-400 Combi als letzter Airline die Treue gehalten. Diese Version der Boeing 747-400 fällt durch eine große Frachttür am Rumpf aus, die bis zu sieben Frachtpaletten aufnehmen können. Es gibt zwar auch hier eine Gewichtsbeschränkung, aber der Transport von Autos oder auch Tieren ist problemlos möglich.

Eingesetzt werden die Flugzeuge gegenwärtig noch im Rahmen einer Luftbrücke zwischen den Niederlanden und China.

Die Kombiversion der Boeing 747-400 war bereits bei der Fertigung für den gemeinsamen Transport von Fracht und Passagieren ausgelegt. Die Boeing 747-400M, wie die Boeing 747-400 Combi offiziell heißt, war früher oft zu sehen. Insgesamt waren 61 Maschinen des Typs im Einsatz. Zu den Betreibern gehörten u.a. KLM, Asiana Airlines, Eva Air und  Air France. Einige Fluggesellschaften hatten die Version Boeing 747-400 Combi geordert, die Möglichkeit zum Transport von mehr Fracht aber nicht genutzt.  Das war möglich, da die Frachttür nachträglich eingebaut werden konnte.

KUL Weg zur Startbahn mit Airbus 380 / MH388 KUL-PVG
Airbus A380 von Malaysia Airlines in Kuala Lumpur
(April 2018)

Temporäre Umrüstung eines Airbus A380 zu Frachtflugzeug

Malaysia Airlines hat zwar bereits einen ihrer Airbus A380 für einen reinen Frachtflug genutzt. Aber hierbei wurde die Fracht auf den Passagiersitzen transportiert bzw. diese sind ausgebaucht worden.

Nun hat die Lufthansa Technik von einem namentlich nicht genannten Kunden den Auftrag für die temporäre Umrüstung eines Airbus A380 zu Frachtflugzeug erhalten. Und damit wird auch klar, dass es keine Frachtversion des Airbus A380 sein wird. Es wird also auch hier insbesondere keine Frachttür eingebaut. Die Modifikationen bei der temporären Umrüstung eines Airbus A380 zu Frachtflugzeug beschränken sich auf Feuerschutz und Sicherheit des Ladegutes. Strukturelle Änderungen sind vermutlich ausgeschlossen. Lufthansa Technik beabsichtigt aber eine entsprechende Zertifizierung zu erhalten. Dies würde es zum einen ermöglichen, später weitere Versionen umzurüsten. Zum anderen könnten dies auch für andere Flugzeugtypen erweitert werden.

Aufgrund der Vorgaben gehen wird nicht davon aus, dass z.B. bei einem Airbus A380 auf dem unteren Deck Fracht und dem oberen Deck Passagiere transportiert werden. Dieser Form der temporären Umrüstung eines Airbus A380 zu Frachtflugzeug dürften die Sicherheitsregularien entgegenstehen. Auszuschließen ist dies aber nicht.

Es dürfte hier auch eine Rolle spielen, wie schnell entsprechende Umbauten zu realisieren sind. Eine reine Frachtversion des Airbus A380 mit entsprechenden Ladetüren wird es aber wohl nicht geben. Der Umbau ist hierfür zu aufwendig, auch wenn gegenwärtig zahlreiche ausgediente Airbus A380 verfügbar sind.

Fracht im Passagierraum
Fracht im Passagierraum
[Corporate Foto by Lufthansa Technik]

Fazit

Nein, eine Frachtversion des Airbus A380 wird es auch zukünftig nicht geben. Vielmehr ist mit dem mitunter als Frachtversion des Airbus A380 bezeichneten Umbau lediglich die temporäre Umrüstung eines Airbus A380 zu Frachtflugzeug gemeint. Die Überschriften einiger Berichte suggerieren hier etwas, was definitiv nicht der Fall ist. Vilemehr optimiert Lufthansa Technik die Passagierversion des Airbus A380 mit Nutzung der standardmäßig verbauten Befestigungsmöglichkeiten für den Transport von Fracht .

Der Bedarf hierfür ist da. Und so kann sich nicht nur Lufthansa Technik über entsprechende Aufträge freuen. Auch KLM reaktiviert Ihre Boeing 747-400 Combi. Auch wenn der Bedarf an Frachtflugzeugen gegenwärtig steigt, dies wird nur vorübergehende Natur sein. Aufgrund der Reduktion im Passagierverkehr fällt auch der entsprechende Frachtraum dort weg. Hierfür wird Ersatz geschaffen werden müssen. Es gibt Fracht, die nicht mit dem Schiff transportiert werden kann.  Die temporäre Umrüstung eines Airbus A380 zu Frachtflugzeug ist insoweit eine spannende Entwicklung. Und so ganz ausschließen kann man auch für die Zukunft nicht, ob es nicht wieder vermehrt Flugzeuge vom Typ einer Boeing 747-400 Combi, also für den gemeinsamen Transport von größeren Mengen Fracht und Passagieren geben wird.

 

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Jan reist seit 20 Jahren und hat es gelernt, diese Reise so angenehm wie möglich zu gestalten. Die häufigen Fragen von Kollegen, Freunden und Bekannten führten zu den Gründungen von Reisenunlimited und Hotels-and-Travel.

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