Wie ist der Ausblick für deutsche Hotels in der Zeit nach Coronavirus?

Die Reisebeschränkungen durch das Coronavirus werden peu-a-peu wieder gelockert. Viele Hotels in Deutschland sind gegenwärtig zwar noch geschlossen, planen aber demnächst wieder zu öffnen. Wie sind die Aussichten der deutschen Hotels für die Zeit nach Coronavirus aufgestellt? Wir gehen dieser Frage einmal nach.

Aktuelle Lage

Bevor wird auf die Frage eingehen, wie die Aussichten für deutsche Hotels für die Zeit nach Coronavirus sind, ein Blick auf die aktuelle Lage.

In vielen Städten sind zahlreiche Hotels geschlossen. Erst langsam öffnen diese wieder. Und versuchen sich an die aktuelle Lage und an die neuen Herausforderungen anzupassen. Für Hotels in den großen Städten kommt dazu, dass mit dem Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August in den meisten Bundesländern, Besuchern zu Messen und Events wegfallen. So hat die Absage der diesjährigen ITB in Berlin im März bereits zu einem herben Verlust der Hotels in Berlin gesorgt. Und gab einen ersten Ausblick, was auf den Tourimussektor in Deutschland zukam. Auch in München brach der Markt im Frühjahr ein und die Hotels in Frankfurt kämpfen mit einer Auslastung zwischen 3 Prozent und 20 Prozent. Dies lässt sich für alle Hotels in den deutschen Städten und Metropolregionen fortsetzen.

Leerer Konferenzraum
Noch länger ein typischer Anblick in vielen Hotels – ein leerer Konferenzraum

Zudem wird nicht so sein, wie vor dem Coronavirus. Viele Firmen haben Geschäftsreisen nach wie vor bis auf weiteres abgesagt. Sei es aus Schutz Ihrer Mitarbeiter, sei es auch um Kosten zu sparen. Denn viele Branchen leiden direkt oder indirekt unter dem Einbruch der Märkte. In Zeiten mit einer hohen Unsicherheit wird eben auch weniger konsumiert. Und es wird mehr gespart.

Nach einer nicht repräsentativen Umfrage von uns haben zahlreiche Firmen und auch die öffentliche Verwaltung nach wie vor eine Beschränkung auf nur dringend notwendige Reisen in Kraft. Konferenzen und Besprechungen werden als Telefon- oder Videokonferenzen durchgeführt. Dies wird vermutlich bis weit in das dritte Quartal anhalten. Jedenfalls ist vor dem Sommer nicht mit einer signifikant steigenden Anzahl an Geschäftsreiseden zu rechnen. Geschäftsreisende jedenfalls werden bis Sommer in deutsche Hotels in der Zeit nach dem Coronavirus nach wie vor nicht zur Regel gehörten. Und vermutlich auch danach nicht in dem gewohnten Maße.

Auch auf internationale Gäste werden die Hotels weiterhin verzichten. Lediglich Reisenden aus dem europäischen Ausland werden nach Deutschland reisen können.

Versicherungen gegen Betriebsunterbrechung greifen vermutlich

Positiv dagegen ist, dass Versicherungen gegen Betriebsunterbrechungen nach einer Entscheidung des LG Mannheim (Urteil vom 29.04.2020 11 O 66/20 (abrufbar u.a. bei  Rechtsanwälten Jöhnke und Reichow)) unter bestimmten Bedingungen auch im Falle von Coronavirus greifen. Im streitgegenständlichen Verfahren ging es um ein einstweiliges Verfügungsverfahren. Die Eilbedürftigkeit wurde zwar abgelehnt. Dies geschah durch das LG Mannheim aber nicht für den Anspruch an sich. Im Gegenteil, in dem konkreten Fall bejahte es den Anspruch der klagenden Hotelbetreiberin gegen die Versicherung.

Auch wenn das konkrete Verfahren vermutlich noch etwas Zeit in Anspruch nehmen wird, sind die Aussichten nach dieser Entscheidung nicht so schlecht. Dies dürfte bei vielen Hotelbetreibern und Gastronomen für eine gewisses Aufatmen sorgen. Gleichwohl ist es zu früh, hier Entwarnung zu geben. Da auf die Versicherungen ein recht hoher Aufwand zukommt, werden diese sich zur wehr setzen. Zudem dürften in den kommenden Jahren viele Policies nachverhandelt werden. Das wird für steigende Kosten sorgen.

Tourismus in Deutschland nach Coronavirus im Sommer 2020

Indes gibt es einen Lichtblick für deutsche Hotels. Der deutsche Markt weist weit weniger Abhängigkeit vom internationalen Markt aus. So weisen die Kollegen von Skift zu Recht darauf hin, dass nur 18% der Touristen in Deutschland von außerhalb Deutschlands kommen. Dies beinhaltet nach den über die Datenbank des Statistischen Bundesamtes abrufbaren Daten auch Besucher aus dem europäischen Ausland.

Grundsätzlich fällt damit Deutschland nicht einmal aus der Reihe.

Denn grundsätzlich verbringen zwei Dritten aller Europäer Ihren Urlaub im eigenen Land. Allerdings hängen zahlreichen ausländischen Metropolen überproportional von ausländischen Gästen ab. Dies wird Städte wie Lissabon, Paris, London, Madrid und Barcelona mit einer Abhängigkeit von 40% oder mehr deutlich stärker treffen als deutsche Städte wie Berlin mit einer 21% Abhängigkeit von ausländischen Gästen.

Berlin Brandenburger Tor
Berlin Brandenburger Tor
(Mai 2004)

Daher dürften deutsche Hotels für die Zeit nach Coronavirus weniger schlimm von Einbrüchen betroffen sein als andere Städte. Hierbei darf allerdings nicht vergessen werden, dass Geschäftsreisende nach wie vor wegfallen. Demzufolge dürften Hotels in Metropolregionen wie Frankfurt, dem Ruhrgebiet, Stuttgart länger betroffen sein als in Urlaubsregionen an der Küste oder in den Bergen. Aber auch wird es eine Tendenz weg vom Hotel hin zu Ferienwohnungen geben. Indes war in den typischen Urlaubsregionen Deutschland bereits heute bei Familien ein hoher Anteil an Ferienwohnungen erkennbar.

 

Spitzingsee / Bayern
Spitzingsee / Bayern
(Oktober 2011)

Ähnliches Erfahrungen sind bereits in China gemacht worden. Hier sind typische Urlaubsregionen an bestimmten Terminen schon wieder sehr gut gebucht. Und wir erwarten ähnliches auch in Deutschland.

Städtetourismus eher verhaltener

Demgegenüber wird man in Städten länger auf eine Erholung warten müssen. Zum einen, weil der Tourismus in Deutschland nicht erst seit Coronavirus im Sommer 2020 weniger stark auf Städte fokussiert war. Zum anderen, weil mit ausgefallenen Urlauben über Ostern vielen Gästen der Sinn eher nach Erholung und Relaxen steht als nach einem Städtetrip. Auch ist das Risiko bei einer Bergwanderung allein geringer als bei einem Besuch in einer Großstadt mit mehr Menschen auf einer Stelle.

Die AGHZ prognostiziert im Sommer unter Bezugnahme auf den CEO der Deutschen Hospitality (u.a. Steigenberger) eine Auslastung von rund 25%.

Aber auch für Geschäftsreisende gilt, dass es hier die Tendenz gibt, dass (Geschäfts)Reisen im eigenen Land schneller erlaubt werden, als grenzüberschreitende Reisen.

Radisson Blu Frankfurt
Radisson Blu Frankfurt
[Corporate Foto by Radisson]

Schnäppchenpreise im Sommer dank Coronavirus?

Der ein oder andere von Euch mag auf gute Angebote bei Hotels hoffen. Aber wir befürchten, dass die nicht so hoch ausfallen werden, wie mancher hofft. Wenn es diese überhaupt gibt.

Nicht nur der Tourismus in Deutschland nach Coronavirus wird im Sommer 2020 von einem gesteigerten Maß an Hygiene gekennzeichnet sein. Auch der in anderen europäischen und internationalen Ländern wird dies sein. Und damit auch mit höheren Kosten für Hotelbetreiber. Dies gilt natürlich auch für Vermieter von Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen. So ist es durchaus nicht völlig abwegig, dass die Hotels versuchen diese Kosten an die Kunden weiterzugeben. Dies wird über den Preis geschehen.

Wer im Frühjahr in Asien unterwegs war, wo bereits früher Beschränkungen infolge des Coronavirus gegriffen haben, wird festgestellt haben, dass die Hotelpreise trotz einer geringeren Auslastung eher höher als günstiger waren. Dies lag daran, dass zahlreiche Hotels bereits damals die verfügbaren Zimmer deutlich reduziert hatten. Die Verknappung des Angebotes sorge für eine Verteuerung der verbliebenen Zimmer. Und über den Preis wollte weder in Singapore noch in Taipei ein Hotel die Zimmer füllen. Ein vermietetes Zimmer für 200 USD verursacht halt unter dem Strich weniger Kosten als zwei Zimmer für jeweils 100 USD. Weniger Gästen standen somit auch weniger Hotelzimmer zur Verfügung.

The Westin München
The Westin München Hotel
(Oktober 2012)

Verknappung des Angebotes

Und es macht bei einer Auslastung von nur 25% betriebswirtschaftlich keinen Sinn, das gesamte Hotel zu öffnen. Vielmehr wird man auch mit Blick auf die langwierigere Reinigung der Zimmer und den damit verbundenen Aufwand, vermutlich ganze Etagen schließen. Demzufolge benötigt man natürlich auch weniger Personal und hat geringere Kosten. Anderss als in den vorherigen Sommern waren die Hotels nicht eh geöffnet. Viele Hotels werden die eh geschlossenen Hotels nicht sofort komplett aufmachen, sondern dies in Etappen machen. Hierbei werden sich die Hotels an Angebot und Nachfrage orientieren.

So gehen wir nicht von signifikanten Preissenkungen aus, die über das normale Maß an niedrigeren Preisen im Sommer hinausgehen.

Und wenn wir ehrlich sein sollen, dann ist jetzt auch angebrachter, das Hotels durch die Zahlung von angemessenen und vor allem kostendeckenden Zimmerpreisen zu unterstützen, als durch Dumpingpreise, bei denen das Hotels draufzahlt. Auch werden nicht alle Leistungen zur Verfügung stehen. Dies kann dazu führen, dass nicht jeder Leistung wie gewohnt zur Verfügung gestellt werden kann. Hier sind vor allem Spa- und Fitnesseinrichtung zu nennen, aber auch die Executive Lounge kann im Sommer eher geschlossen als geöffnet sein.

Grundsätzlich dürften deutsche Hotels Zeit Coronavirus aber besser aufgestellt sein als die in manch anderem europäischen Land.

Lasst uns doch wissen, ob Ihr unsere Einschätzung zum Tourismus in Deutschland im Sommer 2020 mit Blick auf Coronavirus teilt. Oder ob Ihr andere Auffassung seid.

Jan
Über Jan 851 Artikel
Jan reist seit 20 Jahren und hat es gelernt, diese Reise so angenehm wie möglich zu gestalten. Die häufigen Fragen von Kollegen, Freunden und Bekannten führten zu den Gründungen von Reisenunlimited und Hotels-and-Travel.

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