Streicht die Deutsche Bahn den Loungezugang für Sparpreis Tickets?

Am gestrigen 15.10.2019 war der erste Tag, an dem Züge nach dem neuen Fahrplan gebucht werden konnten. Noch etwas aber wurde eher heimlich angekündigt. Der Zugang zu Lounges der Deutschen Bahn sei ab Mitte Dezember nur noch mit einem Ticket zum Flexpreis gestattet. Mittlerweile ist dieser Passus zwar wieder verschwunden. Es bleibt aber die Frage: Streicht die Deutsche Bahn den Loungezugang für erste Klasse Sparpreis Tickets? Und leider müssen wir ergänzen, dass die Bahn die Streichung bestätigt hat.

Tickets

Wir hatten bereits am 30.07.2018 berichtet, dass die Deutsche Bahn den Zugang zu den Deutsche Bahn Lounges mit einem erste Klasse Ticket einschränkt. Wer ein Erste Klasse Tickets im Super-Sparpreis bucht, konnte die Lounge nicht mehr nutzen. Es war bei diesem Ticket auch keine City Option mehr enthalten, wenn man eine Bahncard nutze.

Demgegenüber war im Rahmen der Sparpreis und des Flex Tickets noch alles beim Alten geblieben. Hier gab es sowohl Lounge Zugangs als auch City Tickets.

Lounge

Bahn Lounges gibt es an verschiedenen Bahnhöfen, meist an Knotenpunkten. Entweder als Lounge mit gemeinsamem Bereich für Passagiere der ersten und zweiten Klasse. Oder eben mit getrennten Bereichen. Zugang haben Passagiere mit Bahn Comfort Status immer mindestens zum zweite Klasse Bereich.

Einen solchen separaten Erste Klasse Bereich gibt es z.B. in Berlin, Frankfurt, Köln und München. Dieser bietet einen aufgewerteten Service mit kleinen Snacks und einer umfangreicheren Auswahl an Getränken. Gerade wenn ein Zug Verspätung hat ist dies ein angenehmer Platz, um zu warten.

Erste Klasse Bereich der Bahn Lounge Frankfurt Hauptbahnhof
Erste Klasse Bereich der Bahn Lounge Frankfurt Hauptbahnhof
(Juni 2018)

Streicht die Deutsche Bahn den Loungezugang für erste Klasse Sparpreis Tickets

Wer heute auf die Homepage der Deutschen Bahn schautet sah nicht nur die Ankündigung zum Fahrplanwechsel am 15.12.2019. Und damit auch die Möglichkeit, Züge ab diesem Zeitpunkt zu buchen. Im Bereich der Loungezugangsregeln sah man auch die Einschränkung beim Zugang.

Dort war vermerkt, dass der Zugang nur noch für Passagiere mit einem Flexticket möglich sei. Auch Kunden mit Sparpreis sei ab Mitte Dezember der Zugang nicht mehr erlaubt.

Berichtet haben hierzu zuerst die Kollegen von Travel-Dealz. Entsprechend harsch fiel dort in den Kommentaren auch die Kritik aus.

Die Deutsche Bahn war für uns für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Anfragen auch auf Twitter blieben unbeantwortet und telefonisch wollte man keine Auskunft geben. Mittlerweile ist die Einschränkung wieder verschwunden. Aber die Bahn hat nun bestätigt, dass der Loungezugang zum 15.12.2019 gestrichen werde wird.

Schlechtes Signal

Gerade die separaten Erste Klasse Bereiche sind durchaus angenehme Plätze, um zu warten. Zwar ist, wenn ein Zug Verspätung hat, die Zugbindung aufgehoben. Gleichwohl bedeutet dies auf stark befahrenen Strecken häufig, dass man dann auch in der ersten Klasse stehen muss. So haben wie auch ich viele Passagiere stattdessen die Zeit der Verspätung in der Lounge gewartet und zum Arbeiten genutzt und sind mit dem verspäteten Zug auf dem dort reservierten Sitz gefahren.

Sicherlich, den Sparpreis bucht eher ein privatreisender. Aber gerade dieser steht vor der Wahl, das Auto oder die Bahn zu nehmen. Wenn er noch dazu nicht von Stadt zu Stadt fährt, sondern zunächst mit Regionalzügen zu einem größeren Bahnhof fahren muss, wird er etwas Puffer einplanen.

ICE im Düsseldorf Hauptbahnhof
ICE im Düsseldorf Hauptbahnhof
(August 2018)

Hier war die Lounge oft ein Argument, doch den Zug zu nehmen, weil man ja nicht an einem Bahnhof in der Kälte warten muss. Schließlich sind viele Bahnhöfe auch nicht die schönsten Aufenthaltsorte. Dieses Argument würde wegfallen.

Aber mit Blick auf die Preise ist die Alternative dann eben nicht das Flexticket sondern das Auto. Wer zu zweit unterwegs ist und den Komfort einer ersten Klasse wählt, wird beim Wegfall eines wesentlichen Arguments die nächst komfortablere Variante nehmen. Und dies ist das Auto und nicht ein 45-minütiger Aufenthalt auf einen zugigen Bahnhof zwischen zwei Fahrten in der ersten Klasse.

Vorgaben zum Preis durch Reisekostenrichtlinien

Dies gilt aber zum Teil auch für Geschäftsreisende. Gerade bei festen Terminen ist die Buchung eines Sparpreises oft aufgrund der Reisekostenrichtlinien oder -vorgaben vorgeschrieben. Die Nutzungsmöglichkeit der Lounge machte eine Wartezeit erträglicher, wenn der Termin dann doch früher beendet war. Ein weiterer Vorzug war, dass die Toiletten dort meist doch etwas sauberer waren, als am Bahnhof oder in den Zügen.

Streicht die Deutsche Bahn den Loungezugang für erste Klasse Sparpreis Tickets fällt dieser Vorteil weg. Aber auch ich würde dann eher zum Wagen greifen, da der Vorteil der Arbeitsmöglichkeit in der Lounge wegfällt. Und wenn es dann ein Flexpreis ist, wird der Preis siegen. Und das bedeutet eher zweite Klasse und nicht erster Klasse. Da ich aufgrund der Bestuhlung dort nur eingeschränkt arbeiten kann, würde auch ich dann nach zeitlich günstigeren Alternativen schauen.

Zudem gäbe es dann neben dem komfortableren Sitz in der ersten Klasse keinen wirklichen Grund mehr erste Klasse zu buchen. Die meisten Kunden werden aber nicht ohne weiters zum Flexpreis erster Klasse greifen können. Dort sind Reisekostenrichtlinien oder Kundenvorgaben vor, die eine günstige Reise vorsehen. Und der Aufpreis für ein Sparpreis in der ersten Klasse zu einem Flexticket zweiter Klasse war oft nur gering und wurde mit Blick auf effektive Arbeitszeit toleriert. Das gilt für das Flexticket aber eben nicht.

Service

Und das Serviceangebot der Bahn ist gegenwärtig nun auch nicht so gut, als dass es den mitunter hohen Preis eines flexiblen Tickets rechtfertigen würden. Zum Preis eines flexiblen Tickets der Bahn von München nach Düsseldorf kann ich fast auch fliegen. Selbst mit Anreise zum Flughafen ist dies schneller.

Streicht die Deutsche Bahn den Loungezugang für erste Klasse Sparpreis Tickets, so setzt diese auch ein falsches Zeichen, um Passagiere weg von der Straße zur Schiene zu bewegen. So können wir nur hoffen, dass sich die Deutsche Bahn noch einmal Gedanken macht und die Streichung zumindest für die Sparpreis Kunden.

Jan
Über Jan 998 Artikel
Jan reist seit 20 Jahren und hat es gelernt, diese Reise so angenehm wie möglich zu gestalten. Die häufigen Fragen von Kollegen, Freunden und Bekannten führten zu den Gründungen von Reisenunlimited und Hotels-and-Travel.

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